Erfahrungsbericht eines Absolventen der Phantomausbildung

von Dr. med. dent. Stefan Ganz, Mannheim

Wie in allen Gebieten der Zahnmedizin, werden heutzutage auch in der Implantologie verschiedene Seminare von unterschiedlichen Gesellschaften und Referenten angeboten. Nach dem Besuch mehrerer Fortbildungen über einige Jahre auf diesem Gebiet, u.a. auch das Curriculum der DGI, ist es mir ein Anliegen, die Phantomsimulation vom Internationalen Fortbildungszentrum für zahnärztliche Implantologie IFZI unter Leitung von Prof. (NY) Dr. Manfred Lang in Nürnberg hervorzuheben. Der Referent ist seit mehr als 25 Jahren als niedergelassener Zahnarzt implantologisch tätig.

Die Phantomausbildung besteht aus fünf Modulen und wird in den Räumlichkeiten des IFZI abgehalten. Die ersten beiden Module bestehen neben einer theoretichen Einführung hauptsächlich aus praktischen Übungen am Phantom, bei denen jeder Teilnehmer mehr als 20 Implantate inseriert.
Teil 3 beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt Sinusbodenelevation inklusive praktischer Übungen mit höchsten Schwierigkeitsgraden.
Das vierte Modul stellt die unterschiedlichen Versorgungsmöglichkeiten und deren Varianten vor. Die fünfte und letzte Veranstaltung dieser Reihe umfasst eine praktische Teamschulung vom behandelnden Arzt und seiner Assistenz am Patientenmodell. Jedes Modul dauert einen kompletten Tag.

Von mir persönlich wurden bisher dieModule 1 bis 4 dieser Fortbildungsreihe absolviert. Hierbei zeigte sich eine extreme Praxisnähe des präsentierten Stoffes. Alle dargestellten Schritte dieses ausgereiften Konzeptes werden in Theorie und Praxis effektiv dargestellt und erklärt. Die methodische Aufgliederung ist äußerst schlüssig und der wissenschaftliche Hintergrund wird miteinbezogen. Im Gegensatz zu vielen anderen Fortbildungen, die derzeit auf dem Weiterbildungsmarkt angeboten werden, zeigt sich hier, dass ein Praktiker für Praktiker berichtet.
Wie schon erwähnt, werden in Modul 1 und 2 das theoretisch notwendige Hintergrundwissen, sowie das sich daraus erschließende Implantatdesign und dessen Einsatzmöglichkeiten dargestellt. Anatomie, Grundvoraussetzungen, Schnittführung, Nahttechniken und weitere Nebenaspekte für erfolgreiche Implantationen werden ebenfalls ausführlich geschildert und am Phantom trainiert. Für die praktischen Übungen stehen vorzügliche Ober- und Unterkiefermodelle zur Verfügung, die neben künstlicher Schleimhaut auch eine Schneider’sche Membran und den Nervus alveolaris inferior aufweisen. Die Modelle wurden von Prof. Lang entwickelt und in jahrlanger Kleinarbeit ständig optimert und können in die gängigen Phantomköpfe eingespannt werden.
Ausführlich und in kleinen Gruppen mit maximal drei Teilnehmern wird, zusammen mit speziell ausgebildeten Trainern unter Aufsicht von Prof. Lang, angefangen bei der optimalen Sitzposition bis hin zum adäquaten Wundverschluss in verschiedenen Situationen alles erschöpfend geübt (wir waren alle ganz schön platt). Hiermit sind die ersten zwei Module abgeschlossen, woraufhin man meiner Meinung nach in der eigenen Praxis mit dem Implantieren beginnen kann.

Das dritte Seminar schließt die Vorstellung von präoperativer Chirurgie, Knochenaufbauten durch verschiedene Techniken und den Sinuslift in indirekter und direkter Weise ein. Der direkte Sinuslift kann in gleicher Weise wie in den vorangegangenen Teilen dieser Reihe, an besagten Modellen praktisch geübt werden. Auch hier findet eine Beurteilung eines jeden einzelnen Teilnehmers statt, mit Verbesserungsvorschlägen und entsprechenden Anregungen.
Besonders hilfreich sind die Vorschläge zu den zu verwendenden Materialien.

Modul 4 beschäftigt sich mit der Prothetik, sowohl rein implantatgetragen als auch auf Implantaten und natürlichen Zähnen. Dieses Seminar ist natürlich theorielastiger als die vorhergehenden drei Teile. Dennoch kommt auch hier der praktische Aspekt nicht zu kurz.
Anschauliche bildliche Darstellungen, Fallbeispiele und Vorführungen an naturgetreuen Modellen und am Phantom runden dieses ebenfalls gelungene Modul ab.

Durch den bereits erwähnten Anspruch an die Praxisnähe eignet sich diese Seminarreihe ausgezeichnet zur Erweiterung der eigenen operativen und prothetischen Fähigkeiten. In diesen Modulen werden die wesentlichen Punkte auf einen einfachen Nenner gebracht und die praktische Anwendbarkeit wird sehr gut verdeutlicht und veranschaulicht.

An zwei Wochenenden bzw. vier Tagen werden Sachverhalte vermittelt und trainiert, wozu andere Institute ganze Seminarreihen benötigen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Professorale Eitelkeiten, wie man sie bei anderen Fortbildungen schon häufiger erleben musste, sind Herrn Prof. Lang eher fremd. Der Unterschied zwischen dem mit jahrzehntelanger Erfahrung versierten Praktiker und den theoretisch belasteten universitären Instituten sticht deutlich heraus. Fragen
und Anregungen werden stets ausführlich beantwortet oder diskutiert. Das unterstützende Buchmaterial, welches vom Referenten verlegt wird, eignet sich in guter Weise zur Vor- und Nachbereitung.

Jeder Teilnehmer, darunter auch Kiefer- und Oralchirurgen mit langjähriger Erfahrung, konnte viele Anregungen, Tricks und Tipps, sowie eine Erweiterung des Verständnisses für das Thema der Implantologie für sich verbuchen. Neun Teilnehmer, aufgeteilt in drei Gruppen machten ein immerwährendes intensives Training möglich. Nebenbei wurde auch für das leibliche Wohl mehr als ordentlich gesorgt.

Für mich stellt dies abschließend eine sehr empfehlenswerte Seminarreihemit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis dar.